AUTOFAHREN IN LIMA

IQUITOS, transport

Ein Beitrag von Frerich Ättntättä, EDITION GRUNZWASSER,, 2013-2015

Wenn man die ganze Welt bereist hat, dann glaubt man alles oder fast alles zu wissen. Aber es gibt immer wieder Überraschungen, die das Leben so lebenswert machen. Natürlich ist es nahezu unmöglich, den Portugiesen den ersten Rang in der Liste der schlechtesten Autofahrer streitig zu machen… aber nur solange bis man nach Peru reist. Und hier ganz speziell Lima.

Nicht nur dass die Peruaner rücksichtslos fahren und sich mehr aufs Hupen als auf den Strassenverkehr konzentrieren – aber als Fussgänger ist man dem Tod stets nahe. Wenn Sie also in Lima an einer Kreuzung stehen und Sie sehen eine Lücke – gross genug um die Strasse zu überqueren – bitte tun Sie es. Ich bitte Sie und hören Sie auf mich! Wenn Sie auf das grüne Licht warten, das Sie berechtigt, eben diese Strasse zu überqueren… bitte nicht, wenn Sie überleben wollen! Peruaner jedenfalls tun es nicht. Und sie haben einen guten Grund dafür. Autos fahren plötzlich von überall auf Sie zu und ein rotes Ampelsignal hat für sie keinerlei Bedeutung. Sie machen sich sogar einen Spass daraus, das Tempo zu erhöhen, um Sie wirklich nicht zu verpassen.

Einige Peruaner haben mir erzählt, dass es Bonuspunkte gibt, wenn man einen Fussgänger anfährt. Natürlich sind diese Behauptungen von offizieller Seite nie bestätigt worden, aber es scheint die Wahrheit zu sein. Einen Rentner anfahren? 1000 Bonuspunkte. Ein Kind? Immerhin noch 500. Einen Touristen? Na, ja, immerhin noch 100 Punkte, es sei denn der Tourist hat lange Haare, trägt einen Rucksack und Birkenstock… dann gibt’s noch weitere 150 Punkte.

Die Polizei? Interessanter Aspekt. Polizisten stehen in der Nähe und lächeln unbekümmert, wenn man von einem Auto angefahren oder sogar von Strassenräubern ausgeraubt wird. Die Polizei ist nur dann involviert, wenn sie selber stehlen will. Touristen in Mietwagen sind für Peruanische Polizisten das einfachste Ziel. Sie haben nichts Falsches getan, aber der Polizist erfindet irgendwas, fuchtelt mit seinen gefährlichen Waffen herum und verlangen Hundert Dollar. Sollten Sie sich weigern zu bezahlen, können Sie eine gemütliche Gefängniszelle und mancherlei Beschimpfungen geniessen. Also: bezahlen Sie. Aber fragen Sie bitte nicht nach einer Quittung. Man wird Sie auslachen.

Wenn Sie nach Lima reisen, gehen Sie um Gottes Willen nicht zu Fuss und fahren Sie nicht mit dem Auto. Nehmen Sie einfach ein Taxi. Vereinbaren Sie mit dem Fahrer einen Preis (es gibt keine Taxometer) und was immer der Fahrer Ihnen als Preis nennt, bieten Sie die Hälfte und beide Seiten sind glücklich und zufrieden. Auf der Fahrt werden Sie dann Zeuge dessen, was ich vorhin schon erwähnt habe: Wie wunderbar es ist, einen Fussgänger anzufahren, wenn der Fahrer mit der rechten Hand sein Handy hält, während er mit der Linken einem Polizisten zuwinkt, der freundlich zurück winkt, denn dieser hat soeben einem Touristen 100 Dollar abgenommen. Und genau diesen Touristen, der die Strasse bei grün überquert,  fährt Ihr Taxifahrer glücklich lächelnd an.

Aber bevor Sie denken, Lima ist KEINE Reise wert…Stop! Das beste Essen und die besten Restaurants der Welt sind zweifellos in Lima. Bestreiten tut dies nur jemand, der noch nie in Peru war, wetten?

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